|
|||||
| Die Zeit im Krankenhaus. |
Ich verbrachte die nächsten Tage wie ein Prinz umsorgt im Krankenhaus: Super nette Pfleger und Schwestern haben sich um mich gekümmert, ich hatte oft schon eher zu viel Besuch und das Telefon hat unaufhörlich geklingelt. Und das Problem mit dem wirklich schlicht unmenschlich beschissenem Essen im Krankenhaus Harlaching hat sich auch gelöst: Mein Vater hat für mich gekocht und mir jeden Tag tolle Leckereien ans Bett gebracht!
Drei Tage nach der OP war ich schon wieder recht mobil: Ich konnte selbst aufs Klo gehen (bis dahin hatte ich einen Katheter im meinem besten Stück), und schon ein wenig durchs Zimmer laufen. Der Infusionsständer hat da auch als wunderbare Hilfe gedient, wenn die Knie mal wackeliger wurden. Jeder Tag im Krankenhaus bringt dabei kleine Fortschritte: Erst kommen die Katheter raus, dann kann man immer besser aufstehen und man braucht jeden Tag weniger Schmerzmittel (am Anfang noch alle zwei Stunden, am Schluss nur noch einmal vor dem Einschlafen). Und meine Ausflüge wurden auch jeden Tag länger. |
||||
| Endlich nach Hause. |
10 Tage nach dem Eingriff war ich dann wieder so fit, dass ich entlassen werden konnte. ENDLICH im eigenen Bett schlafen. Das tat zwar noch mehr weh als im Krankenhaus, weil man mein eigenes Bett natürlich nicht so schön verstellen kann, aber trotzdem war es um Klassen angenehmer (Schmerzmittel hatte ich schon die letzten zwei Tage im Krankenhaus keine mehr gebraucht).
Jetzt sollte erst mal für 5 Wochen Ruhe sein, dann stand die erste ‚kleine Nachsorge’ an: ein Blutbild inklusive Tumormarker. Ich war natürlich wahnsinnig nervös, welches Ergebnis die Untersuchung bringen würde und konnte die zwei Nächte kaum schlafen. Aber alles war im grünen Bereich. |
||||
| Erste Nachsorge. |
Nach weiteren 6 Wochen (also insgesamt 3 Monate nach dem Eingriff) wurde dann ein erster großer Checkup gemacht: Abdomen und Schädel CT, Röntgen Lunge und wieder die Blutwerte.
Die zwei Wochen vor dieser Untersuchung waren diesmal die Hölle für mich: Ich hatte so komische, unerklärliche Kopfschmerzen, einen ebenso schwer zu beschreibenden Schmerz in der Brust und außerdem habe ich wieder fast jede Nacht zwei T-Shirts durchgeschwitzt. Irgendwie hatte ich das sichere Gefühl, der Krebs wäre zurück. Besonders das Druckgefühl im Kopf hat mich extrem verängstigt (deswegen das sonst unübliche Schädel CT). Die Untersuchungen haben dann aber gezeigt, dass alles OK war. Keine auffälligen CT Ergebnisse und die Tumormarker waren auch immer noch unten. Nur der Testosteron Wert war zu niedrig. Offensichtlich fing mein Körper an, die Depotspritzen zu schnell aufzubrauchen. Die einzige Alternative war die Umstellung auf Gel, das man täglich auf die Haut aufbringen muss. |
||||
| Das mit dem Sex. |
Das wichtigste vorweg: Es geht noch und es macht auch noch genauso viel Spaß. Allerdings fehlt nicht nur das Sperma, die Ejakulation ist seit der zweiten OP total ‚trocken’. Eigentlich sollte da noch die Prostata Flüssigkeit sein, aber bei der Lymphknoten Entnahme kam es bei mir zu einer nicht seltenen Nebenwirkung: Das ‚Ejakulat’ fließt bei mir nicht mehr nach vorne, sondern nach hinten in die Blase. Das wäre bei einem Patienten mit einem ‚Resthoden’ Scheiße, weil es unfruchtbar macht. Bei mir war es wurscht, da ich ja so ganz ohne Hoden ohnehin unfruchtbar bin.
Diese Nebenwirkung ist – da muss man ehrlich sein – offensichtlich ziemlich häufig. Deshalb dringend mit dem Arzt vor der OP über das Einfrieren von Samen reden. Allein zu wissen, dass es theoretisch noch mit Kindern klappen könnte, hilft später wahnsinnig. |
||||
| Das Testosteron Problem. |
Die Hoden produzieren nicht nur Sperma. Sie produzieren auch Testosteron – und das muss bei mir nun substituiert werden. Normalerweise reicht ein Hoden dafür völlig aus: Der produziert dann einfach mehr.
Bei mir sollten das Spritzen erledigen, die man so alle 3 bis 4 Wochen irgendwo in den Muskel spritzt (tut nicht weh) und deren Inhalt dann vom Körper schritt für Schritt absorbiert wird – so soll über die ganze Zeit ein einigermaßen gleichmäßiger Spiegel erreicht werden. Dummerweise ist mein Körper offensichtlich so scharf auf Testosteron, dass er das Zeug viel zu schnell und unregelmäßig abbaut. Als Alternative hätte man bis vor kurzem Pflaster kleben müssen. Und zwar täglich und immer wo anders hin! Die gibt es allerdings nicht mehr, weil man im Rest der Welt schon auf ein Gel umgestiegen ist. Nur in Deutschland, da ist es im Moment noch nicht zugelassen (ändert sich ab 1 April 2003). Mir hat die Apotheke dieses ‚AndroGel’ dann (mit einem heftigen Aufschlag) aus Frankreich besorgt und ich denke dass es damit super klappt. Jedenfalls ist das tägliche Einschmieren super einfach und viel besser als hässliche Pflaster. Ich fühle mich auch wohl und schwitze endlich nicht mehr wie eine Frau in den Wechseljahren. |
weiter |