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Mai 2002.
Hodenkrebs die Zweite.
Gerade aus dem Urlaub zurück hat mich ein Freund zum Mountainbiken überredet. Und siehe da: Beim Radfahren tat mir der linke Hoden weh. Gleichzeitig hatte ich die letzten Nächte unglaublich geschwitzt. Mit weniger als zwei T-Shirts kam ich nie aus, meist waren es drei oder vier, die ich klatschnass geschwitzt habe. Aber dass würde bestimmt bald besser!

Ihr ahnt es schon, es wurde nicht besser. Es wurde sogar ein wenig schlimmer in den nächsten Tagen. Und was mich noch mehr bedrückt hat, war, dass der Hoden geschwollen war. Nicht eine kleine Schwellung am Hoden, wie beim ersten Mal. Nein, der ganze Hoden war dicker, und zwar ganz gleichmäßig und sehr fest.
 
Die Untersuchung. Das blieb auch bis Montag so, und wenn man nur noch einen Hoden hat, ist man natürlich besonders um das gute Stück besorgt. Ich bin also sofort zur Vertretung meines Urologen gegangen (mein Urologe war im wohlverdienten Pfingsturlaub). Und um es kurz zu machen: Der ist ziemlich erschrocken, als er den Hoden abgetastet hat und hat mich ohne weitere Untersuchungen zu machen sofort ins Krankenhaus geschickt.

Dort angekommen hat mich Herr Dr. Steil untersucht. Das muss so etwas wie eine Fügung gewesen sein, denn da war vom ersten Moment an ein unglaubliches Vertrauen meinerseits. Und ich denke auch ich war Herrn Dr. Steil nicht wirklich unsympathisch.

Das war uns beiden allerdings die Diagnose: Es könnte schon wieder ein Tumor sein. Also wieder auf den OP Tisch. Der Termin wurde sofort für den nächsten Tag um 8 Uhr festgelegt.
 
Die Operation. Ich habe die Nacht zu Hause verbracht und bin so ins Krankenhaus gefahren, dass ich rechtzeitig um 7 Uhr zu den Vorbereitungen da war. Ich wurde wieder rasiert und dann in meinem Bett nach unten in den OP gefahren. Dort hat mich dann Prof. Jesch in den Schlaf geschickt – und wieder erwähne ich den Namen gerne: Seine unglaublich vertrauenserweckende Art hat die ganze Sache sehr viel angenehmer gemacht. Insbesondere ein kurzes Streicheln über die Backe anstelle des üblichen ‚und jetzt zählen sie mal bis drei’ war einfach super. Das mag auch der Grund für einen sehr schönen Traum während der OP gewesen sein…

Die OP selbst verlief dann ziemlich problemlos und hat so um eine Stunde gedauert. Nur das Ergebnis des Eingriffs war nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte. Es hat mich zwar nicht überrascht, aber eben doch jede Hoffnung auf eine andere Ursache der Schwellung endgültig zerstört: Herr Dr. Steil hat mir noch im Aufwachraum gesagt, es wäre ein bösartiger Tumor gewesen und diesmal leider ganz sicher kein reines Seminom. Und nebenbei war ich jetzt komplett ‚entmannt’. Das wurde mir allerdings erst später so richtig bewusst.
 
Der Tag danach. Nachdem ich so langsam richtig wach wurde, hat man mich auf mein Zimmer geschoben und dort hatte ich dann Zeit mal so richtig über die ganze Sache nachzudenken. Da war diese Angst, die für Krebs glaube ich ziemlich typisch ist, aber da war auch eine ganze Menge Zuversicht. Was beim ersten Mal so gut geklappt hat, wird auch beim zweiten Mal hinhauen.

Gut für mich: Ich hatte nie den Wunsch Kinder zu bekommen. Andernfalls denke ich, wäre mir die ganze Angelegenheit deutlich schwerer gefallen. Denn soviel war jetzt klar: So ganz ohne Hoden würde ich zwar Sex haben wie zuvor, aber eben ohne Sperma.

Zwischen den vielen Telefonaten und Besuchen hat mir Herr Dr. Steil dann erklärt, was er gefunden hatte und wie es jetzt weiter gehen würde. Es war ein ‚Nicht-Seminom’ so viel war schon klar, eine genauere Aussage würde erst nach der genauen Untersuchung des Tumors in der Pathologie möglich sein. Er war ziemlich klein und so wie es aussah gab es keine Einwüchse in Blut- oder Lymphgefäße.
 
Weitere Untersuchungen. Als nächstes standen diverse Untersuchungen an, ob der Tumor schon gestreut hatte, auch wenn das bei der Größe des Tumors ziemlich unwahrscheinlich erschien.

Die erste Nacht verlief dann ziemlich ruhig (es hat diesmal so wenig wehgetan, dass ich ohne Schmerzmittel ausgekommen bin) und ich hab mich ganz gut erholt. Geträumt hab ich leider weniger gut…

Am nächsten Tag konnte ich schon ziemlich problemlos aufstehen und es standen jede Menge Untersuchungen auf dem Plan: vor allem ein Bauch und Lungen CT, ein Knochenszintigramm und eine umfangreiche Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes.

Wenn dann alle Ergebnisse zusammengetragen sein würden, käme die Entscheidung, wie es weitergeht. Und nachdem meine Lust auf Krankenhaus schon wider gedeckt war, bin ich am nächsten Tag nach Hause gegangen.
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