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Die Entdeckung: Es war der 1 Juni 1999. Ich stand unter der Dusche und machte eine erstaunliche Feststellung: Da war etwas an meinem rechten Hoden, was vor kurzem noch nicht da war. Es war nicht besonders groß, etwa 1 Zentimeter lang und 5 Millimeter hoch. Es saß direkt am Hoden, war hart und schmerzte auch bei Druck nicht.
Es muß plötzlich gekommen sein, da war ich mir sicher - schließlich duschte ich ja jeden Tag und gestern war doch noch nichts da! Also würde es auch sehr schnell wieder verschwinden.

 
Es verschwand nicht. Mein kleines Problem blieb mir. Auch nach ein paar Tagen war es noch da. Ich bildete mir sogar ein, es wäre ein wenig größer geworden - Krebs? Doch nicht mit 28 Jahren, immerhin lebte ich doch bis heute überdurchschnittlich gesund.
Aber tief in mir war ich mir ungewöhnlich sicher: Es war Krebs.

Also fragte ich einen befreundeten Arzt was zu tun sei. Er wurde ein wenig blaß um die Nase, sprach von Risiko Altersgruppe und riet mir so schnell als möglich zum Urologen zu gehen.

 
Beim Urologen. Ich suchte die gelben Seiten, und dann dort nach einem Arzt, von dessen Berufsgruppe ich bisher nicht viel mehr wußte, als das sie existiert. Wie sollte man einen Urologen aus den vielen Namen auswählen? Ich entschied mich für den nächstgelegenen, Dr. Brandl in Grünwald bei München.

Dort bekam ich nach der Schilderung meiner Beobachtungen auch einen sehr kurzfristigen Termin an einem Freitag morgen:
Dr. Brandl untersuchte mich mit dem Ultraschallgerät und erklärte mir, dass man den betroffenen Hoden für eine exaktere Diagnose operativ würde freilegen müssen. Er tat das übrigens außergewöhnlich geschickt, vermied Worte wie eben Krebs oder Tumor. Verstanden habe ich ihn trotzdem und es war ja auch die Diagnose, die ich erwartet hatte.
Erst später sollte ich erfahren, dass die Strukturen die dort zu sehen waren bereits ein sehr eindeutiger Hinweis darauf waren, mit was ich es hier zu tun hatte.

So blieb mir nichts anderes übrig, als mich für ein Klinik zu entscheiden. Dr. Brandl telefonierte anschließend kurz mit dem städtischen Krankenhaus München Harlaching, besorgte für mich ein Zimmer ab dem darauffolgenden Montag und einen "Notfall OP Termin" - ich begann die Sache doch ein wenig ernster zu nehmen.

 
Die Wartezeit. Eigentlich nur ein Wochenende, kann die Zeit bis zur OP sicher lang werden. Ich empfand es Gott sei Dank nicht als besonders schlimm: Die Hochzeit eines Freundes machte die zwei Tage sehr kurz.
Nur eines werde ich nie vergessen: Es mag verrückt klingen, aber ich habe meinen rechten Hoden in diesen Tagen gehaßt. Ich hoffte direkt, ihn nächste Woche los zu sein.

 
Im Krankenhaus. Ich war - von meiner eigenen Geburt abgesehen - zum ersten Mal in meinem Leben in einem Krankenhaus. Aber ich hatte Glück, meine private Krankenversicherung sorgte für ein Einzelzimmer, und sehr nettes Personal machte mir die ersten Stunden in der fremden Umgebung leichter.

An diesem Montag folgten dann eine Reihe von Untersuchungen, das nochmalige Sonogramm bestätigte die Diagnose: Der Hoden muss wohl entfernt werden, sowohl die Struktur, als auch die Härte machten einen Tumor sehr wahrscheinlich.
Die Unmengen Blut, die man mir dann noch abgenommen hat, sollten nicht nur den "Tumormarker" bestimmen, sondern auch als OP Vorbereitung dienen.

Die Diagnose, wie auch die anstehenden Operation wurden mir dann von Prof. Chaussy genauer erklärt. Wieder fiel vor allem eines auf: Herr Chaussy gab sich sehr viel Mühe, die Sache zwar ernst aber beruhigend darzustellen. Egal was es sein würde, man würde es heilen können.
Und der Größe nach war ich wohl auch sehr rechtzeitig gekommen.

Das alles machte zwar nachdenklich, aber ich blieb gut gelaunt. Das würde schon gut gehen.

Am Abend wurde ich dann noch rasiert. Und unter der Dusche danach - es sollte die letzte für längere Zeit sein - kam ich mir zum ersten mal so richtig krank vor. Mann sah das traurig aus, so kahlgeschoren!
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